Wie behindertengerechtes Bad planen?

In meiner Immobilie muss eine Wohnung umgebaut werden. Alles soll behindertengerecht werden, da ein Mieter einziehen wird, der im Rollstuhl sitzt. Konkret geht es mir um die Planung eines barrierefreien, behindertengerechten Bads. Worauf muss ich bei der Ausstattung für einen Rollstuhlfahrer achten? Die Dusche sollte ebenerdig sein, aber welche Eigenschaften besitzt ein barrierefreies Bad noch? Was ist rechtlich wichtig für den Umbau derartiger Bäder? Kurzum: Auf was muss ich achten, wenn ich ein behindertengerechtes Bad planen bzw. bauen lassen möchte?

5 Expertenantworten (letzte Antwort am 20. Oktober)
  1. Achim Laabs
    Achim Laabs | Badexperte

    Dusch-WC zu empfehlen

    Wenn wir ein behindertengerechtes Bad planen und bauen, ist das oberste Gebot, dass sich der Nutzer, ob mit oder ohne Rollstuhl, gut im Badezimmer bewegen kann. Dazu gehört ebenso, dass die einzelnen Sanitärelemente (Toilette, Dusche, Waschtisch / Waschbecken etc.) gut zugänglich sind.

    Wie Sie angesprochen haben, ist eine bodenebene Dusche zu empfehlen, wenn es die Bausubstanz hergibt. Bei der Toilettenform ist ein Modell mit tiefer Ausladung wichtig. Sie erleichtern Rollstuhlfahrern den Zugang und das Umsetzen. Aus Gründen der Reinigung und Hygiene ist der Einbau eines Dusch-WCs zu empfehlen. Zu beiden Seiten der Toilette muss genug Platz gelassen werden, um Haltegriffe zum Abstützen anzubringen.

  2. Fabian Rühle
    Fabian Rühle | Badexperte

    Behindertengerechtes Badezimmer planen: Individuelle Handicaps, Raumgröße und Einrichtung beachten

    Bei barrierefreien und behindertengerechten Bädern ist zum einen die Raumgröße wichtig, zum anderen kommt es auf die Einrichtung an. Natürlich muss vor dem Start der genauen Planung klar sein, welche Handicaps auf Seiten der Nutzer vorliegen. Erst wenn die Vorgaben definiert sind, kann ein bedürfnisgerechtes Konzept für das Badezimmer entwickelt werden. Im Laufe der Beratung erschließt sich für den Badplaner, ob sich z. B. Funktionsbereiche überlagern dürfen, er mit Kontrasten arbeiten muss, weil der Kunde Probleme mit der optischen Wahrnehmung hat und welche Sanitärobjekte geeignet sind.

    Der Zugang zum Badezimmer sollte großzügig gehalten werden, damit ein Rollstuhl problemlos hindurch passt. Türen, die nach außen öffnen, sind praktisch. Noch besser sind elektrisch öffnende bzw. manuell zu bedienende Schiebetüren. Sie können von Nutzern im Rollstuhl gut angesteuert werden und öffnen sich nicht in die eigene Richtung. Generell müssen sämtliche Bestandteile des Badezimmers gut erreichbar sein, vom Waschbecken über Schränke bis hin zum Fenster. Für Rollstuhlfahrer spielt dabei die Höhe eine wichtige Rolle. Die Erreichbarkeit ist grundlegend, wenn der Kunde das Badezimmer vollumfänglich und ohne Hilfe nutzen können soll.

    Die DIN 18040-2 enthält Vorgaben zur Planung und Einrichtung barrierefreier Sanitärräume. Die Einhaltung ist für den Privatbereich keine Pflicht. Außer Sie wollen finanzielle Hilfsmittel (Förderung für barrierefreies / behindertengerechtes Wohnen durch KfW, Pflegekasse etc.) beantragen, um die Kosten zu senken. Sonst dienen die Normen aber als gute Orientierungshilfe, wenn Sie ein barrierefreies Badezimmer bauen wollen. Darin sind u. a. Vorgaben enthalten, welche Abstände zu Wänden einzuhalten sind und wo die Montage von Griffen und Handläufen sinnvoll ist.

  3. Ingrid Schramm
    Ingrid Schramm | Badberaterin

    Bewegungsfreiraum in barrierefreien Bädern

    Egal, ob das Bad eigenständig oder mit der Unterstützung von Pflegern genutzt wird, muss es einen zentralen Raum geben, der es erlaubt, sich mit dem Rollstuhl in alle Richtungen drehen zu können. Je nachdem, bei welchen Abläufen im Bad die Pflegehelfer nötig sind, muss eventuell ein Bereich mehr Platz bieten. Beispielsweise WC oder Dusche.

  4. HEIMWOHL
    HEIMWOHL  | Badexperten

    Behindertengerechte Bäder: Mehrere Faktoren wichtig

    Wie bei jeder Badplanung kommt es für barrierefreies Bauen ebenfalls auf den Grundriss des Bads an. Er verrät, wieviel Platz zur Verfügung steht. Davon ausgehend, kann man den Kunden sagen, was an Ausstattung hinein passt. Wenn man zunächst einmal die Bewegungsflächen anordnet sowie Objekte festlegt, kann man schnell verschiedene Varianten ausprobieren. Das hilft, wenn Sie ein behindertengerechtes Bad planen wollen.

    Barrierefreiheit ist ein essenzieller Faktor für Menschen mit Behinderung. Sie einzuräumen, kann mitunter schwierig sein. Bei der Dusche kommt es dahingehend immer darauf an, wie tief man mit dem Ablauf in den Boden kommt. Bevor ein barrierefreies Bad überhaupt umgesetzt wird, muss mit einer Bestandsaufnahme geklärt werden, wie es mit den Zugängen zum Haus sowie im Haus bzw. in der Wohnung ausschaut. Gibt es Treppen oder andere Hindernisse, müssen diese angegangen werden. Auch die Türen sollten ausreichend breit sein, sodass ein Rollstuhlfahrer ohne anzuecken hindurch fahren kann.

    Bei der Ausstattung für ein barrierefreies Bad gibt es einiges zu beachten: So sollte der Waschtisch bzw. das Waschbecken für Rollstuhlfahrer unterfahrbar und mit einem hohen, gut erreichbaren Hebelmischer bzw. einer berührungslosen Armatur bestückt sein. Die Toilette sollte so gestaltet sein, dass man vernünftig an sie heranfahren kann. Haltegriffe zu beiden Seiten erleichtern die eigenständige Nutzung. Ähnlich sieht es bei der Dusche aus: Sie sollte nach Möglichkeit bodeneben sein, wie bereits erwähnt wurde. Des Weiteren ist neben Haltegriffen ebenfalls ein Duschsitz bzw. eine gemauerte Bank zu empfehlen. Ein rutschfester Belag darf im gesamten Bad ebenso wenig fehlen.

    Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier:

  5. Ulf Bode
    Ulf Bode | Badexperte

    Ebenerdigkeit und geeignete Ausstattung

    Der Abbau von Barrieren ist ebenso wichtig, wie eine behindertengerechte Einrichtung (unterfahrbarer Waschtisch, Griffe von Schränken in erreichbarer Höhe, bodengleiche Dusche mit schwenk- und faltbaren Türen etc.). Beim Bodenbelag ist auf eine gute Rutschhemmung zu achten. Zu Beginn muss zudem die Frage geklärt werden, wer das Bad benutzt. Möchte der gehandicapte Kunde es allein nutzen können oder ist er auf Pflegepersonal angewiesen, dass sich zeitgleich mit im Badezimmer aufhält.

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